VORWORT zur 2. erweiterten Auflage der "Hexenjagd ..."
Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens beschäftigte
ich mich so gut es ging mit den verschiedensten Religionen. Doch nicht die
mächtigen etablierten Gemeinschaften hatten es mir angetan, in welchen man
wahrhaft Gläubige wie Stecknadeln im Heuhaufen suchen muß, sondern vielmehr
die kleinen unbekannten Gruppen, in welchen der jeweilige Glaube noch wirklich
gelebt wird. Nirgends sonst traf ich so glückliche Menschen, welche den Sinn
in ihrem Leben gefunden hatten. Um mein Wissen zu erweitern, habe ich meine
Nase auch recht tief in Lehre und Lebensweise der verschiedensten Kulte gesteckt
- und überall sah ich auch einen Schatten, der hinter fast all diesen kleinen
Glaubensgemeinschaften her war. Denn ihnen allen ist gemeinsam, daß sie ständigen
Verleumdungs-, Hetz- und Verunglimpfungskampagnen ausgesetzt sind. Wenn es
um sogenannte "Sekten" geht, wird gelogen, daß sich die Balken biegen.
Als ich erfuhr, daß unbescholtene Sektenmitglieder nur aufgrund ihrer persönlichen
Überzeugung Wohnung und Arbeit gekündigt bekamen, war ich schon recht erzürnt.
Nachdem ich aber auch noch bemerkte, welche Hebel in Bewegung gesetzt werden,
nur um den Gläubigen das Leben schwer zu machen, und daß manch Gläubiger sogar
gewaltsam "deprogrammiert" wurde, sah ich die Zeit gekommen, eine Aufklärungsbroschüre
namens "Hexenjagd im 20. Jahrhundert" zu veröffentlichen.
Es war an der Zeit dazu. So brachte ich sie denn über den TPI-Verlag auf den
Markt, nicht wissend, in welchem Wespennest ich da gestochert hatte. So ist
die "Hexenjagd" auch ohne Medienrummel wohl zu einer der umstrittensten Schriften
des Jahres 1997 geworden. "Lauwarme" Reaktionen kamen überhaupt keine. Nur
vollmundiges Lob und schärfster Tadel. Jene, denen ich aus dem Herzen sprach,
versorgten mich mit weiterem Informationsmaterial und schrieben persönliche
Briefe. Selbst ein Scientologe aus Florida bewunderte in seinem Brief meinen
Mut, über solch ein umstrittenes Thema zu schreiben und mich auf die Seite
der Verfolgten zu stellen. Aber auch die Gegenseite schlief nicht. Meine Bücher
wurden als "Teufelswerk" bezeichnet, und es wurde mündlich dazu aufgerufen,
sie zu verbrennen. Werbeplakate wurden abgerissen oder mit Spray "verschönert",
und selbst einige Buchhändler bekamen Besuch von netten Mitmenschen, welche
erklärten, daß meine Bücher (man beachte die Mehrzahlform) jugendgefährdend
seien, und ich Scientologe oder praktizierender Satanist wäre. (Dies stimmt
zwar beides nicht, aber was tut man nicht alles, wenn man jemanden boykottieren
will.) Am Ende trugen sogar diese Menschen dazu bei, daß die "Hexenjagd" auch
ja schön im Gespräch blieb. In der Zwischenzeit habe ich so viele Informationen
erhalten, daß es ein Frevel gewesen wäre, die 2. Auflage nicht permanent zu
erweitern. So ist nun aus einer kleinen Aufklärungsbroschüre ein Buch geworden,
welches hoffentlich seinen Zweck erfüllen wird. Möge es den Lesern die Augen
öffnen und sie nicht mehr jedes Lügenmärchen glauben lassen. Möge es bedrängten
Gläubigen den Rücken stärken, und möge es den Volksverdummern Sand im Getriebe
sein.
Zuletzt möchte ich mich noch bei all jenen bedanken, die meine Arbeit in irgendeiner Form unterstützt haben. Und auch bei all denen möchte ich mich bedanken, welche durch ständiges Verunglimpfen und Bekämpfen meiner Bücher und meiner Person dazu beigetragen haben, daß meine Werke nicht in Vergessenheit geraten. Gerade jene Menschen haben geholfen, daß ich in aller Munde blieb und mir damit jede Menge Werbekosten erspart. Vielen Dank auch Euch allen. Ich wünsche mir, daß viele Menschen durch dieses Buch zum Nachdenken kommen, und daß religiöse Minderheiten bald friedlich ihren Weg gehen können, ohne permanent verfolgt zu werden. Möge eine 3. Auflage dieses Buches nicht mehr nötig sein.
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen Glück und Frieden!
Mit freiheitlichem Gruß
Ihr Matthias Bormann
Einleitung
Wir leben an der Schwelle des 21. Jahrhunderts, und es gibt immer mehr Menschen, welche jetzt nach dem Sinn ihres Daseins suchen. Endlich haben sie ihre Augen aufgetan und stellen fest, daß es außer dem materiellen Leben auch noch eine geistige Dimension geben muß. Sie stellen fest, daß arbeiten, essen, schlafen, sich fortpflanzen und sich fürchten nicht alles sein kann, weswegen die menschliche Lebensform auf der Erde verweilt. Darum begibt sich so mancher denn doch noch auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Doch wo ihn finden? Hetzpropaganda und ihre Folgen Wer kennt sie nicht, die leidigen Hetzartikel der Tageszeitungen und Illustrierten zu diesem Thema. Es vergeht keine Woche, in der nicht irgendeine Schlagzeile eine Glaubensgemeinschaft verunglimpft. Mittels gezielter Wortwahl wird nur das Gefühl des Lesers angespro-chen und nicht etwa der gesunde Menschenverstand. Dies führt schließlich dazu, daß die meisten Leser die Märchen glauben, welche da verbreitet werden.
Im Materialismus hat man lange genug umsonst gesucht, und die etablierten Religionen haben in den Augen der Suchenden längst abgegessen, weil sie leider den schwerwiegenden Fehler begangen haben, selbst zu Materialisten zu werden.
Ein weiterer Fehler war es, über die Jahrhunderte ihre Schäfchen (welch treffendes Gleichnis) systematisch zu verdummen. Und wehe dem, der an den von Menschen geschaffenen Dogmen zu rühren wagte. Also auch dort wird der Sucher keinen Erfolg haben.
So fällt er mit seiner Sehnsucht nach Wissen und Sinn erst einmal in ein tiefes Loch.
Doch eines Tages trifft er auf einen Menschen, bei dem er feststellt, daß dieser irgendwie ausgeglichen und glücklich ist. Dieser andere gibt dann auch noch vor, zumindest den Sinn seines Lebens gefunden zu haben. Auch er hat einen Glauben, und was wichtiger ist - er lebt ihn auch.
Schnell hat sich der Sucher seinem neuen Freund angeschlossen - und plötzlich wird dessen Glaube auch als die eigene individuelle Wahrheit anerkannt. Das Leben und Denken beginnt sich zu verändern. Neue Werte treten jetzt an die Stelle der alten Überzeugungen. Man lebt bewußter. Vielleicht möchte man kein Fleisch von seinem kleinen Bruder Tier mehr essen, oder der Tag ist mit Meditationen ausgefüllt. Von seinen neuen Freunden fühlt man sich plötzlich verstanden. Kurzum, man hat seinen inneren Frieden gefunden und fühlt sich glücklich.
Doch meist nicht lange. Denn der Tag wird kommen, an dem man mit seinem neuen Glauben bei seinen "lieben" verständnislosen Mit-menschen gewaltig aneckt. Diese können den neuen Lebenswandel absolut nicht verstehen und werden vehement dagegen ankämpfen; denn der Mitmensch ist in eine sogenannte "destruktive Sekte" geraten.
Und Sekten sind nun einmal das Feindbild der neunziger Jahre. Was im Mittelalter die Hexe war und in der Nazizeit der Jud, das ist heute die Sekte.
Nun mag man sich fragen, warum das so ist? Denn meist sind Mitglieder kleiner Glaubensgemeinschaften sehr friedfertig. Der Haß allerdings ist gar nicht so schwer zu erklären, denn wenn jemand ein solches Lehrsystem übernimmt, beginnt er bewußt zu denken und zu handeln. Er bleibt seiner neuen Überzeugung treu und verweigert der Gesellschaft die Anpassung.
Er läßt sich nicht mehr wie ein Herdenmensch durch die Wirrsal des Lebens hin- und herschubsen. Die materialistischen Führer haben einen potentiellen Käufer und Soldaten verloren, die etablierten Religionsgemeinschaften hingegen ein Schaf. Daß diese Personen-gruppen nunmehr in Wut geraten, ist völlig klar.
Einfach verbieten aber läßt sich der Glaube natürlich nicht. Also muß man andere Wege finden, die unangepaßten Gemeinschaften in die Knie zu zwingen. Dabei wird nun um so gründlicher vorgegangen. Inzwischen hat eine Propagandawelle die Völker überrollt, in welcher mit den abwegigsten Aussagen wider die verschiedensten Glaubens-gemeinschaften gehetzt wird.
Vom niedersten Pöbel bis zur Aristokratie hegen inzwischen die meisten Menschen völlig unbegründete Haßgefühle gegen sogenannte Sekten, und das, obwohl sie meist nie ein Mitglied einer solchen gesprochen haben. Sonst würden sie wahrscheinlich ganz schnell ihre Meinung in dieser Beziehung ändern. Damit aber ja niemand seine Meinung zu dieser Thematik ändert, wird von seiten gewisser Medienmultis kräftig Angst geschürt, indem man scheußlichste Schauermärchen verbreitet.
Wenn man dann so etwas liest, müßte man eigentlich laut lachen - wenn es nicht so traurig wäre.
Munter wird pauschalisiert, verwechselt, durcheinandergequirlt oder gar bewußt gelogen.
Ich werde jetzt einige besonders "gut" geschriebene Leckerbissen aufzeigen, welche ich in der letzten Zeit in den verschiedensten Publikationen entdeckte.
Der erste lyrische Erguß behandelt eine Esoterikmesse in Dresden. "Für 9 Mark ins Reich der Geister", so lautete die Schlagzeile einer bekannten Tageszeitung.
Die Messe als solche wird in der Folge als "Jahrmarkt der Scharlatane und Seelenfänger" bezeichnet.
Meditationsmusik erklingt nicht etwa, sondern sie "dudelt". Purpur-platten werden dort nicht etwa verkauft, sondern "verhökert". Man beachte die ausgewogene Wortwahl. Der Sprecher des Vereins "Wissenschaft der Spiritualität" spricht nicht etwa, sondern laut dieser Zeitung "faselt" er. Der Kartenlegerin geht es angeblich nur ums Geld, und eine Tarotsitzung würde 150 Mark kosten. In Wahrheit kostete diese zwar 50 Mark, aber man kann ja schließlich mal einen Druck-fehler machen - oder auch bewußt einen anderen Preis einsetzen. Ich werde mir hierzu kein Urteil erlauben.
Nachdem im selbigen Artikel noch die "Hare Krishnas" verunglimpft wurden, und Geistheilung als Blödsinn bezeichnet wurde, war der Artikel endlich zu Ende.
Doch nicht nur die auflagenstärkste Zeitung in Sachsen (deren Name ich verschweige) weiß über diese Themen "objektiv" zu berichten.
Mit weiteren Auszügen aus Büchern und Zeitschriften werde ich meine Ausführung zum Thema fortsetzen.
Obwohl mir sämtliches Material zur Verfügung steht, werde ich darauf verzichten, hier irgendwelche Namen zu nennen, da ich nicht zu jenen Menschen zähle, welche andere in den Schmutz zu treten pflegen.
Als nächstes will ich also eine bekannte Illustrierte zitieren: "Die Todessekten sind auch in Deutschland", so lautet die Schlagzeile. Darunter stehen in Großschrift vier Stichpunkte:
- Sie locken mit Arbeitsplätzen und freiem Sex.
- Sie treiben Familien in den Ruin.
- Sie foltern Babys mit heißem Wachs.
- Eine Sekte billigt sogar Mord.
Reißerischer kann ein Artikel wohl nicht aufgemacht sein. Der unbedarfte Leser muß vor Schreck eine Gänsehaut bekommen, wenn er so etwas liest.
Kein Wunder, daß der einfache Bürger die bösen, bösen Sekten zu hassen beginnt.
In selbigem Artikel werden nun die horrendesten Beschuldigungen wider die verschiedensten Glaubensgemeinschaften zum Besten gegeben.
Ein Krishna-Jünger hätte sich angeblich mit Benzin übergossen und verbrannt, und "Lichtheim"-Leute sollen angeblich Babys foltern. Hierbei werden allerdings keine konkreten Angaben gemacht. Sonst würde die Illustrierte von seiten der Eltern vielleicht auch Ärger bekommen. Weiterhin wird wie immer gesagt, daß die Gurus finan-ziellen Verzicht predigen, während sie selbst Geld scheffeln.
Der Hammer des Artikels aber ist, daß der Glaubensgemeinschaft "Kinder Gottes" vorgeworfen wird, ihr Führer würde zum Mord aufrufen. Als "Beweis" ist ein Abschnitt aus einer Schrift der Kinder Gottes zu lesen, in welcher geschrieben steht: "Und offenbar ist sogar Mord verzeihlich." Wer die gesamte Schrift der Kinder Gottes gelesen hat, und nicht nur die abgedruckte Zeile, der wird feststellen, daß es
in jenem Artikel um Christenverfolgungen ging. Unsere Illustrierte machte einen Mordaufruf daraus.
Als letztes wird schließlich noch auf die Glaubensfreiheit in unserem Grundgesetz gewettert. Dann ist der Schmähartikel endlich zu Ende.
Ich möchte wissen, was in den Gehirnen der Menschen vorgeht, die so etwas schreiben. Denn sie schreiben ihre Hetzartikel nicht etwa aus Unwissenheit heraus, sondern bewußt. Wenn man Zeitschriften und Bücher zum Thema liest, wird einem wohl immer wieder die Sprachgewandtheit der Autoren ins Auge stechen. Es wird hier mit gezielter Wortwahl gearbeitet, um dem Leser eine Meinung ein-zuimpfen.
Da ist jemand in den "Klauen" einer Sekte, und es wird immer wieder von Essenentzug, Schlafentzug, Gehirnwäsche und körperlicher Züchtigung gesprochen. Beweise fehlen selbstverständlich.
"Schräge Sektenvögel" stehen "verzweifelten Eltern" gegenüber, und in einem Buch fällt dem Autor nichts besseres ein als zu schreiben, daß der indische Guru Sai Baba ein "Froschgesicht" habe. Wie primitiv!
Ananda Margis rufen in solcherart "Sachbüchern" nicht, sondern es erschallet ein "andächtiges Gebrüll".
Die Therapietechniken von Rajneesh machen angeblich aus Menschen reagierende Roboter, und Scientology wird der Geldgier bezichtigt.
Bei Sant Thakar Singh, von welchem man behauptet, er würde Babys foltern, geschah einem Reporter nach seiner eigenen Aussage etwas furchtbares.
Er wollte vor Ort recherchieren und nahm deshalb an der Meditation teil. Also erhielt er ein Mantra, welches er etwa eine halbe Stunde vor sich hersagte. Dann geschah das so Furchtbare: Der Reporter fand das alles plötzlich so schön, daß er am liebsten einfach alles loslassen wollte. Er war für diesen Moment in einem Zustand größter Glückseligkeit, obwohl er doch nur recherchieren wollte. Mit der Wirksamkeit des Mantras hatte er nicht gerechnet. Seit dieser Zeit ist er aber der Glaubensgemeinschaft nicht etwa beigetreten, sondern er warnt davor. Eine Warnung vor Glückseligkeit. Das wäre das gleiche, als wenn jemand vor einer liebevollen Frau warnen würde und sie deswegen verstieße, weil er mit ihr glücklich ist.
In einem anderen Machwerk steht folgender Wortlaut: "Unbegreiflich, wie zum Beispiel die ISKCON - Jünger überleben. Mit nur drei Stunden Schlaf pro Nacht, einem Glas Wasser zum Frühstück und einem Apfel zum Mittagessen würde jeder normale Mensch zusammenklappen.", so heißt es.
Die Autorin hat wahrscheinlich die Hare Krishnas nie kennengelernt oder gar einmal bei ihnen gegessen. Ich aß schon mehrfach bei ihren Zusammenkünften zu Abend, und es war so reichlich, daß ich jedesmal Mühe hatte, den Nachtisch wegzubringen. Von einem Apfel und einem Glas Wasser wäre ich sicher nicht so satt geworden. Besagtes Buch soll übrigens aufgrund siebenjährigen fleißigen Recherchierens entstanden sein. Nur schade, daß es die Autorin offensichtlich während dieser sieben Jahre verpaßt hat, sich auch einmal vor Ort umzusehen.
Doch dies verpassen wohl die meisten, welche zu diesem Reizthema etwas aussagen. Stecken doch viele Bücher voller faktischer Wider-sprüche.
So ist in einem weiteren Werke folgendes zu lesen: "Nicht weniger bestürzt müssen rechtschaffene Bürger heute erleben, wie ihre Kinder ihnen zu den Scientologen davonlaufen oder zu einem buddhistischen Guru nach Indien pilgern." Welch Fachwissen! Gurus gibt es zwar in Indien, aber keine buddhistischen, sondern hinduistische.
Es wäre sehr weise von den Autoren, wenn sie sich vorher über die Themen informieren würden, über welche sie zu schreiben pflegen. Sonst treten immer wieder diese groben Fehler auf. Wie peinlich!
So wurde das Massaker an den Davidianern in Waco/Texas damals als Massenselbstmord hingestellt, wobei von der extremen Linken bis zur extremen Rechten jede Zeitschrift in das gleiche Horn blies. Vor kurzem wollte man selbigen Davidianern einen Bombenanschlag zu Oklahoma in die Schuhe schieben. Motiv Rache! Wieso Rache für Selbstmord? Dies sollte man sich fragen, wenn man solch widersprüchliche Artikel liest. Selbiger Bombenanschlag wurde, wie man im Nachhinein feststellte, selbstverständlich nicht von den Davidianern verübt.
Oder nehmen wir das Stichwort Aum-Sekte. Jeden Tag wurden gegen diese Gemeinschaft die absurdesten Beschuldigungen vorgebracht.
Angeblich hätten sie in der Tokyoter U-Bahn Giftgas ausgelassen, was bedauerlicherweise zu Todesopfern führte. Die Schlagzeilen der Illustrierten übertrafen sich gegenseitig. Massenverhaftungen wurden durchgeführt, und Rußland beschlagnahmte sogar das gesamte Vermögen der Religionsgemeinschaft, nachdem sie dort verboten wurde. Allerdings hüllten sich die Medien über die Identität des einzigen erwischten Attentäters in tiefes Schweigen. Logisch, denn der hatte ja schließlich mit den Aum-Leuten nichts zu tun.
Daß allerdings Aum-Gründer Ashara dieses wirklich abscheulichen Verbrechens bezichtigt wurde, hat seinen Grund. Denn dieser hatte seine Nase in Dinge gesteckt, die nicht für ihn bestimmt waren, und danach den Fehler gemacht, den Mund zu weit aufzutun.
Am meisten aber wird zur Zeit auf die Scientologen geschimpft. Ständig tauchen falsche Berichte auf, in denen die Scientology Church als Betrugsunternehmen hingestellt wird. Den Scientologen wird selbst im Privatleben hinterhergeschnüffelt und alles zu Papier gebracht, was den sensationslüsternen Leser befriedigen soll.
Immer neue Gerüchte werden in Umlauf gebracht. Warum wohl? Vieles hängt damit zusammen, daß der Gründer L. Ron Hubbard eine Methode gefunden hatte, mit der das Trauma einer Gehirnwäsche aufgelöst werden kann. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der sich so mancher Geheimdienst für die Methoden interessierte. Er trat somit mit seinem Dianetik-Buch einigen sehr einflußreichen Leuten gewaltig auf den Schlips. Also mußte die gesamte Dianetik mittels Presse verunglimpft werden.
Nicht, daß etwa zu viele kontrollierbare Herdenmenschen selbständig zu denken beginnen.
Der Absolvent von Dianetik-Kursen kann nämlich von sehr interessanten Erlebnissen berichten. Er kann sich an vorgeburtliche Erlebnisse und vergangene Leben erinnern, was in einer Detail-genauigkeit geschieht, die manchen Reinkarnations-Therapeuten neidisch werden läßt. Ganze Ketten vergangener Leben lassen sich durch diese Methode zurückrufen.
Auch Telepathie, Fernheilung und Zustände außerhalb des Körpers können erlebt werden. Und das alles ohne Hypnose oder gar Drogen. Demzufolge sind die von Scientology angebotenen Kurse recht interessant.
Nicht umsonst nehmen immer wieder viele Vertreter der Aristokratie daran teil.
Aber die Kurse haben auch ihren Preis; und das wird der Scientology Church angekreidet. Als ob nicht alles seines Preis hätte. Wem es zu teuer ist, der wird schließlich von niemandem gezwungen, an einem solchen Kurs teilzunehmen. Doch die Medien sehen das anders, und die Gerüchteküche kocht munter weiter.
Scientologen wären Betrüger, welche Menschen in den finanziellen Ruin treiben, so heißt es immer wieder. Aufgrund dieser Vorwürfe waren die Kirchenkonten Gegenstand einer sehr gründlichen Über-prüfung durch gerichtlich beauftragte Experten. Diese stellten eine ordnungsgemäße Buchführung fest, was allerdings der Öffentlichkeit nicht bekanntgegeben wurde.
Ich persönlich lernte Scientologen übrigens auch nicht als irgendwelche schlechte Menschen kennen. Ganz im Gegenteil. Und zwar befand ich mich wie jedes Jahr auch 1995 auf der Buchmesse zu Frankfurt am Main. Beim Betrachten der verschiedenen Bücher wurde ich von den Mitarbeitern des Verlages angesprochen, ob ich noch etwas Zeit habe. Als ich bejahte, wurde ich zu einer kleinen Feier eingeladen. Es gab Sekt, Kuchen und am Ende für jeden ein ledergebundenes Dianetik-Buch mit Goldschnitt. Selbstverständlich kostenlos und ohne jede Verpflichtung für irgend etwas. Als ich bei selbigem Verlag später interessehalber ein weiteres Buch bestellte, lieferte der Verlag sogar portofrei und mit großzügigem Rabatt. Es war außerdem einer der Verlage, die auch auf dem Kontoauszug ordentlich ausgewiesen hatten, wer da für was etwas abgezogen hatte. Mit der Buchführung geht es eben doch korrekt zu.
Trotz alledem gibt es in periodischen Abständen immer wieder Hetzartikel gegen Scientology.
Aber auch andere Glaubensgemeinschaften werden, wie gesagt, immer wieder verleumdet und verunglimpft.
Früher hieß es in den Medien wenigstens noch Jugendreligionen. Dieser Begriff war aber wohl doch ein wenig zu positiv, so daß heute diesbezüglich fast nur noch von "destruktiven Kulten" gesprochen wird.
Daß diese Propaganda nicht ohne Folgen bleibt, ist kaum verwunderlich. Man unterhalte sich mit irgendeinem braven Bürger einmal über sogenannte Sekten.
"Die müßte man alle einsperren", so heißt es, "oder zumindest verbieten". Selbst Hitler und die heilige Inquisition werden wieder herbeigewünscht, um dem Treiben der "furchtbaren Sekten" endlich Einhalt gebieten zu können. (Wenn diese schlecht informierten Menschen wüßten, daß die Inquisitoren radikalen Mönchsorden angehörten, und Hitler hochkarätiges Mitglied der okkulten Thule-Gesellschaft sowie strenger Vegetarier und ein ausgezeichnetes Medium war, würden sie diesbezüglich den Mund weniger voll nehmen.)
Der Rufmord hat seinen Zweck erfüllt. Wenn man morgen alle kleinen Glaubensgemeinschaften verbieten würde, um deren Mitglieder daraufhin in Gefängnisse zu sperren, wären Stimmen des Protestes sehr dürftig. Die Masse des Volkes würde schweigen oder solcherart Maßnahme gar noch begrüßen. Zur Zeit der Inquisition und der Judenpogrome war es recht ähnlich. Durch gezielte Propaganda wurde dem Volke eine Meinung aufdiktiert. Wenn es dann zu böswilligen Aktionen gegen eine Minderheit kam, klatschte die Menge stets Beifall, da sie der festen Meinung war, diese Taten seien gerechtfertigt. Genauso wäre es wohl heute wieder. So ist es auch nicht nur bei Worten geblieben. Die Taten folgten.
Viele bürgerliche Rechte und Freiheiten gelten für Mitglieder religiöser Minderheiten nicht mehr. Statt dessen sind sie behördlichen Schikanen und ständigen Hetzkampagnen ausgesetzt. Das Recht der freien Meinungsäußerung und selbst das Recht, Eigentum zu erwerben, gilt für "Sekten" vielerorts nicht. Da werden Hausbesitzer aufgefordert, ihre Immobilie bloß nicht an solche zu vermieten, und Firmen von Gläubigen werden gezielt boykottiert.
Den "Sekten" selbst wird die Gemeinnützigkeit aberkannt, was Spendensammelverbote oder gar Pogromaufrufe zur Folge hat. Es gab sogar schon Initiativen politischer Parteien, die eine Sonder-behandlung religiöser Minderheiten erreichen wollten. "Sekten" sollte demzufolge die Rechts- und Gewerbefähigkeit entzogen werden. Doch daraus wurde nichts, da demokratische Staaten glücklicherweise eine Verfassung haben.
Man stelle sich vor, die Sektengegner hätten jetzt schon freie Hand. Was so schon geschieht, nur weil jemand anders denkt und glaubt, ist schlimm genug.
Da bekommen ansonsten unbescholtene Sektenmitglieder aufgrund ihrer Mitgliedschaft die Arbeit oder Wohnung gekündigt.
Nächtliche Anrufer pöbeln die Gläubigen auf übelste Art und Weise voll, und so mancher wird auf offener Straße gleich mal verprügelt.
Anschläge auf Einrichtungen von Religionsgemeinschaften werden von den Medien sogar hochgejubelt.
Der aufgebrachte Pöbel wurde noch für gutgeheißen, als er einen Königreichsaal von Jehovas Zeugen in Flammen aufgehen ließ. Dies geschah deshalb, weil angeblich ein Kind deswegen gestorben sei, daß die Blutkonserve verweigert wurde. (Wenn aber an verseuchten Blutkonserven 100 Menschen verstorben wären, würden die Hammel von Brandstiftern bestimmt kein Feuer legen, sondern ängstlich das Geschehene bedauern und den Mund halten.)
Noch größer war die Freude allerdings, wenn bei einer scien-tologischen Einrichtung Schaden gemacht wurde. Als einer Buch-handlung die Scheiben eingeworfen wurden, weil sie das Dianetik-Buch ausgestellt hatte, wurde dies richtig gefunden.
Gegen den Anwalt, der die Scientology Church vertritt, gingen Mord-drohungen ein, und der Sänger "Chick Corea" durfte in Stuttgart nicht auftreten. Unternehmer, die der Scientologennähe verdächtigt werden (der Gemeinschaft also nicht einmal angehören), werden mit Rufmordkampagnen bedacht, welche einer Existenzvernichtung gleichkommen.
Es gab auch schon eine Person, welche Scientologen am Geruch erkennen wollte und es bedauerte, daß diese Kinder bekommen dürfen. (Name der Redaktion bekannt)
Selbst gewalttätige Übergriffe gegen religiöse Minderheiten sind an der Tagesordnung. Die Schikanen reichen von Razzien über Zwangs-psychatrisierung bis hin zur Internierung von Sektenmitgliedern in sogenannte Umerziehungslager. Solcherart Lager dienen der "Deprogrammierung". (Deprogrammierung ist die Verschleppung, Isolation und das Einsperren des Opfers, bis es unter Drohungen oder Mißhandlungen bereit ist, abzuschwören.)
Manch Deprogrammierer bedient sich dabei der physischen oder psychischen Tortour, der Hypnose oder sogar Drogen.
Aus unseren Steuergeldern werden gewisse "Anti-Sekten-Initiativen" finanziert, welche gern von sich behaupten, die Stimme Betroffener zu sein. Mit "betroffen" sind allerdings nicht die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft gemeint, sondern ihre Verwandten, welche die selbständige Entscheidung eines Familienmitglieds nicht akzeptieren wollen.
Sie sind ganz einfach davon betroffen, daß ein volljähriges Kind ihnen plötzlich nicht mehr gehorsam ist. Wo sie gegen einen einzelnen Menschen (z. B. neue Freundin) noch ihren Willen durch-setzen könnten, ist dies gegen einen Glauben nicht mehr möglich. Darum schließt man sich zu Elterninitiativen zusammen, in denen die Eltern allerdings meist weniger zu sagen haben als der Sekten-beauftragte.
Solcherart Initiativen werden gezielt in eine bestimmte Richtung gelenkt, in welche sie gewisse Leute gern hätten. (Die betroffenen Eltern können einem eigentlich leid tun.) Anstatt zu versuchen, für ihre Kinder Verständnis aufzubringen, lassen sie sich von gewissen Leuten zu einem Kampf gegen Windmühlenflügel einspannen.
Wäre es da nicht besser, die freie Entscheidung des Verwandten zu akzeptieren und weiterhin liebevoll mit ihm zu verkehren. Doch durch die eingeimpften Vorurteile ist dies gar nicht so einfach.
Also wird lieber ein Deprogrammierer angeheuert, der den "ver-lorenen Sohn" auch gegen seinen Willen und mit Gewalt wieder zurückbringt.
Leider gibt es auch Organisationen, die bei Bedarf solche kriminellen Dienste vermitteln. Geht eine solche "Deprogrammierung" schief, und ein solcher Rechtsbruch wird verfolgt, so schilt dann die Presse auch noch die Polizei, die ihre Pflicht getan hat. (Nämlich das Opfer aus den Händen des modernen Inquisitors zu befreien.)
Hiermit schließe ich dieses Kapitel ab. Jeder bilde sich seine Meinung selbst.
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